Sonntag, 26. November 2017

Rezension - Der Mitreiser und die Überfliegerin von Mira Valentin

Erschienen: November 2017
Ausgabe: ebook 
Seiten: 290 Seiten 
Buch: 3,99 EUR 
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Milans Welt ist in Ordnung bis der 18-Jährige auf tragische Weise seine beste Freundin Jo verliert. Die Schuld sitzt tief. Als ihm plötzlich ein weißer Wellensittich zufliegt, scheint das intelligente Tier seinen eigenen Kopf zu besitzen und führt ihn zum Zirkus Salto.
Dort taucht Milan in eine völlig neue, teils fast magisch wirkende, Welt ein und lernt die schöne Trapezkünstlerin Julie besser kennen. Doch liegt das Glück für ihn wirklich im Zirkus?


Der Einstieg in das Buch ist recht dramatisch, denn der 18-Jährige Milan muss einen schweren Verlust hinnehmen und dadurch gerät sein Leben völlig aus den Fugen. Er gibt sich die Schuld an dem Unfall und verfällt in Depressionen aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint.


Erst als ihm ein weißer Wellensittich zufliegt, scheint Milans Leben eine positive Wendung zu nehmen. Denn durch ihn trifft er auf Julie und den Zirkus Salto, der ihn herzlich aufnimmt. Er beschließt, sein Leben von Grund auf zu ändern und mit dem Zirkus mitzureisen, wo er seit langer Zeit wieder freier atmen kann.

Das Konzept, welches Mira Valentin hier verfolgt, fand ich interessant. In diesem Fall sind einige Tiere sogenannte Seelentiere, wie auch der Wellensittich von Milan. Sie erkennen, in wem noch Magie wohnt und wer sich komplett ans System angepasst hat. Die Autorin ist hier durchaus sehr gesellschaftskritisch wie ich finde. Der Zirkus stellt eine Art magische Blase gegenüber der Außenwelt dar, die doch sehr konform und eintönig ist. Hier leben die Menschen nach festgelegten Mustern, aus denen sie auch nie ausbrechen. Diese Farblosigkeit ist es auch, die Milan fast in die Knie zwingt.

Für mich war jedoch die Abgrenzung nicht ganz klar: Einerseits wird Milan von schweren Schuldgefühlen geplagt, andererseits ist es angeblich das System, was alle vernichtet und die Angst, Risiken einzugehen. Für mich schwang sehr viel zwischen den Zeilen mit, was manchmal nicht klar abgrenzbar war. Dennoch fand ich die Gesamtbotschaft schön: Sich eben nicht in seinem Alltag "auszuruhen" sondern auch mal was zu wagen und ein Abenteuer zu erleben.

Die Charaktere fand ich vielseitig und interessant. Julie ist eine klare Draufgängerin, die sich jedoch überhaupt nicht mit ihrer Mutter versteht. Dann gibt es noch den Tigerdompteur, der sich bei jedem Auftritt seinen Ängsten stellt und die Schlangenfrau, die den Richtigen noch nicht gefunden hat. Das Zirkusleben wurde sowohl mit seinen positiven als auch negativen Seiten gut von der Autorin beleuchtet und dargestellt.


Ein sehr tiefsinnige, nachdenklich machende Geschichte über das Leben und was man bereit ist zu riskieren, welches aber auch schöne Einblicke in das Zirkusleben mit seinen Höhen und Tiefen gibt.



Kommentare:

  1. Wirkt wie ein wirklich tolles Buch, aus dem man viel über das Leben lernen kann.
    Liebe Grüße
    Joel von Büchervergleich.org

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    1. Hallo Joel,

      Das ist es tatsächlich auch!

      Liebe Grüße Desiree

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  2. Huhu liebe Desiree,

    die Idee mit den Seelentieren gefällt mir unheimlich gut und auch sonst klingt das Buch echt interessant. Vor allem einfach auch nach einem Roman, der nicht 0815 ist.

    Liebe Grüße,
    Ally

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    1. Hi Ally,

      nein, 0815 ist dieser Roman tatsächlich nicht, sondern wirklich ungewöhnlich, das kann ich voll unterschreiben!

      Liebe Grüße
      Desiree

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  3. Hallo Desiree,
    von dem Buch hatte ich noch nichts gehört, aber nach deiner Rezi werde ich mal eine Leseprobe lesen und vielleicht ist es was für mich. :)
    LG Marina

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    1. Hi Marina,

      es ist auf jeden Fall tiefgründig und mal etwas völlig Anderes :-)

      Liebe Grüße
      Desiree

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  4. Hallöchen Desiree,
    eine schöne Rezension von dir.
    Du schreibst, dir sei die Abgrenzung nicht ganz klar gewesen.
    Genau das ist der entscheidende Punkt. Diese Frage beantwortet jeder Leser anders. Je nach Standpunkt und Ausgangssituation ist jeder mit etwas anderem glücklich und dort richtig aufgehoben. Als Mitreiser oder Vertreter, im Zirkus oder außerhalb, mit Seelentier oder ohne - für jeden ist ein anderer Weg & Ort richtig, deshalb ist die offene Haltung ohne strikte Abgrenzung von richtig und falsch, gerade der Punkt, indem jeder Leser seinen eigenen Weg gehen kann. Eben der der für ihn richtig ist jeweils.

    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Hi Sarah,

      danke für die Ergänzung. Ja, da gehe ich mit, dass es bei jedem sehr von seiner individuellen Situation abhängt. Dennoch ist es für mich eine Vermischung bei Milan zwischen Schuldgefühlen (am Tod seiner Freundin), die ihn erst in den Abgrund reißen und dann kommt plötzlich der Aspekt "wie angepasst bin ich dazu". Das sind für mich zwei unterschiedliche Dinge, die sich aber bei Milan doch sehr miteinander vermischen.

      Liebe Grüße
      Desiree

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  5. Hallo liebe Desiree,
    das klingt vielleicht etwas blöd, aber ich finde solche Einstiege mit viel Drama usw. total toll, spannend und das Buch macht es interessant.
    Die Rezension hört sich auch ganz nach meinem Geschmack an und kommt auf die Wunschliste.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Hallo Andrea,

      schön, dass ich dich inspirieren konnte! Bei so einem Einstieg ist dem Autor mit seiner Geschichte auf jeden Fall die Aufmerksamkeit sicher :-)

      Liebe Grüße
      Desiree

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